Factoring · 30.09.2025

Stilles vs. offenes
Factoring.

Sichtbar oder unsichtbar? Beide Modelle haben klare Profile – und jedes passt zu anderen Kundenbeziehungen.

Die Frage "stilles oder offenes Factoring?" wird im Mittelstand oft zu oberflächlich entschieden. Tatsächlich hängt die richtige Wahl an drei Faktoren: Kundenbeziehung, Branche und Kosten. Hier der direkte Vergleich.

Offenes Factoring – der Standard

Beim offenen Factoring wird die Forderung formell an die Factoringgesellschaft abgetreten. Der Endkunde erfährt davon: Die Rechnung enthält einen Abtretungsvermerk, die Zahlung erfolgt direkt an den Factor. Über 80 % aller deutschen Factoring-Verträge sind offen.

Vorteile: niedrigere Gebühren (typisch 0,8–1,8 %), volle Risikoübernahme einfacher kalkulierbar, geringerer administrativer Aufwand für den Factor. Nachteile: für manche Kundenbeziehungen irritierend, in einigen Branchen (Mode, Premium, Beratung) als „Liquiditätsproblem" interpretiert.

Stilles Factoring – diskret, aber teurer

Beim stillen Verfahren bleibt die Forderungsabtretung verborgen. Der Endkunde zahlt wie gewohnt an den Lieferanten – der Lieferant leitet den Eingang an den Factor weiter. Juristisch ist die Forderung dennoch wirksam abgetreten.

Vorteile: Kundenbeziehung unbeeinträchtigt, kein Erklärungsbedarf, oft besser für Premium-Marken und sensible B2B-Beziehungen. Nachteile: höhere Gebühren (typisch 1,2–2,5 %), strengere Bonitätsanforderungen, höheres Risiko für den Factor.

Direktvergleich

MerkmalOffenStill
Sichtbarkeitfür Kunden erkennbarfür Kunden unsichtbar
Gebühren0,8–1,8 %1,2–2,5 %
Bevorschussung80–95 %70–90 %
Bonitätsanforderungmoderathoch
Mindestumsatzab 250.000 €meist ab 1 Mio. €
Typische BranchenGroßhandel, Personaldienstleister, IndustriePremiumgüter, Beratung, sensible B2B

Welches Modell für welche Situation?

  • Industrieller Großkunde mit klassischer B2B-Beziehung: offen ist Standard und akzeptiert.
  • Premium-Marke mit Endkundenkontakt: still meist die bessere Wahl.
  • Mittelstand mit gemischter Kundenstruktur: hybrides Modell – offen für die Großen, still für die Sensiblen.
  • Branche, in der Factoring selten ist (z. B. Architektur): still verhindert Irritation.
Beispielrechnung

Bei 5 Mio. € Forderungsumsatz: Differenz zwischen 1,3 % (offen) und 1,9 % (still) sind 30.000 € pro Jahr. Diese Differenz sollte im Verhältnis zum Wert der Kundenbeziehung stehen – bei Großkunden mit Millionenumsätzen ist sie oft gut investiert.

Hybrid: das selektive Modell

Eine zunehmend beliebte Variante ist das selektive Factoring: Sie wählen pro Forderung, ob sie verkauft wird, und in welcher Form. So lassen sich Großforderungen still verkaufen, normale offen – oder umgekehrt. Diese Modelle sind in den letzten Jahren deutlich flexibler geworden.

Fazit

Stilles oder offenes Factoring ist keine Glaubensfrage, sondern eine Kalkulation: Was kostet die Diskretion, und welchen Wert hat die Kundenbeziehung? Wer ehrlich kalkuliert, kann die richtige Variante oft binnen einer Sitzung festlegen. KMU Finanzierung hilft bei der Auswahl und holt Vergleichsangebote für beide Modelle ein.

Verfasst von KMU Finanzierung · Stand: 30.09.2025

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Alle Zahlen, Rechenbeispiele und Berechnungen dienen ausschließlich der besseren Veranschaulichung und stellen keine konkreten Konditionen, Preise oder verbindlichen Zahlen dar.

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