Bauunternehmen finanzieren ihre Auftraggeber regelmäßig mit – ungewollt. Lange Abnahmen, 5 % Gewährleistungseinbehalt über Jahre, Pay-when-paid-Klauseln: All das bindet Liquidität, die anderswo fehlt. Klassisches Factoring funktioniert hier nicht, aber es gibt Lösungen, die speziell für die Bau-Eigenheiten entwickelt sind.
Warum Standard-Factoring am Bau scheitert
- VOB-Abschlagsrechnungen sind juristisch keine endgültigen Forderungen, sondern Vorauszahlungen auf den Endbetrag
- 5 % Gewährleistungseinbehalt bleiben über die Verjährungsfrist (typ. 5 Jahre) liegen
- Pay-when-paid-Klauseln binden die Zahlung des Subunternehmers an die Zahlung des Generalunternehmers
- Mängel und Nachträge werden vom Auftraggeber regelmäßig zur Aufrechnung genutzt
- Abtretungsverbote in Generalunternehmer-Verträgen sind weit verbreitet
Bau-Factoring: die wichtigsten Modelle
Spezialisierte Anbieter haben eigene Konstrukte entwickelt, die diese Hürden umgehen oder vertraglich auflösen:
1. Schlussrechnungs-Factoring
Nur testierte Schlussrechnungen oder durch Architekten geprüfte Endabrechnungen werden angekauft. Die Bevorschussung liegt typisch bei 80–90 %. Der Sicherheitseinbehalt bleibt ausgeklammert – kann aber über eine Avalbürgschaft an den Auftraggeber abgelöst werden.
2. Bau-Abschlagsfactoring
Einige Spezialisten kaufen auch Abschlagsrechnungen an, jedoch mit niedrigerer Bevorschussungsquote (60–75 %) und höherer Gebühr. Wichtig: Der Auftraggeber muss zustimmen, das Abtretungsverbot muss aufgehoben sein.
3. Sicherheitseinbehalt-Ablösung
Der 5%-Einbehalt wird durch eine Avalbürgschaft (Gewährleistungsbürgschaft) abgelöst. Kosten typ. 1,5–2,5 % p.a. auf das Avalvolumen. Damit fließt der Einbehalt unmittelbar zu – wirtschaftlich ein erheblicher Liquiditätsvorteil über die Gewährleistungsfrist.
Beispiel: Tiefbauunternehmen mit 6 Mio. € Umsatz
Forderungsbestand 1,2 Mio. €, davon 300.000 € Gewährleistungseinbehalt (verteilt auf 4 Jahre). Mit Schlussrechnungs-Factoring (85 % Bevorschussung) werden ca. 760.000 € sofort verfügbar (statt 1,2 Mio. € erst nach 60 Tagen). Mit Aval-Ablösung kommen weitere 300.000 € Einbehalt hinzu – Liquiditätsgewinn rund 1,06 Mio. € in wenigen Wochen.
Bau-Factoring ist deutlich teurer als Standard-Factoring. Gebühren liegen bei 1,5–3 % des Forderungsvolumens plus Avalgebühren. Aber: Die Alternative ist meist ein deutlich teurerer Bankkredit oder gar kein Wachstum.
Anbieterprofile
Im deutschen Markt sind etwa 5–7 Anbieter wirklich Bau-erfahren. Sie verfügen über eigene juristische Vertragsmuster, kennen die VOB-Eigenheiten und haben enge Kontakte zu Avalversicherern. Kleinere Standard-Factoringgesellschaften scheitern oft an der ersten VOB-Klausel.
Worauf Sie achten sollten
- Auftraggeber-Bonität – Generalunternehmer mit gutem Rating sind ein Plus
- Abtretungsverbote vorher prüfen lassen
- Aval-Kompetenz des Anbieters – Banken oder Versicherer als Aval-Geber?
- Schnelle Klärungsprozesse bei Mängeln oder Nachträgen
- Kosten-Transparenz – die Gesamtbelastung kann komplex werden
Fazit
Bau-Factoring funktioniert – aber nur mit dem richtigen Spezialisten. Wer den passenden Anbieter findet und die VOB-Klauseln versteht, kann sich erhebliche Liquidität sichern, die bisher in Gewährleistungseinbehalten und langen Zahlungszielen gebunden war. KMU Finanzierung kennt die wenigen wirklich bauerfahrenen Anbieter und vergleicht deren Konditionen.
Verfasst von KMU Finanzierung · Stand: 12.08.2025
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